. Die Anatomische Gesellschaft trauert um Prof. Dr. med. Hubert Wartenberg - News — Anatomische Gesellschaft
Anatomische Gesellschaft
logo_banner

News

Die Anatomische Gesellschaft trauert um Prof. Dr. med. Hubert Wartenberg

Am Morgen des 15. Januar 2021 verstarb im Alter von 90 Jahren Prof. Dr. med. Hubert Wartenberg, der lange Jahre die Geschicke des Anatomischen Institutes der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn lenkte.

Prof. Dr. med. Hubert Wartenberg war ein leidenschaftlicher und wegweisender Wissenschaftler und ein begeisterter und begeisternder Hochschullehrer.

Hubert Wartenberg wurde 1930 in Stade bei Hamburg geboren. Er studierte in Jena Medizin und Physik, und er begann seine anatomische Laufbahn als Assistent am Anatomischen Institut der Universität Jena, wo er auch promoviert wurde. Nach einer entbehrungsreichen und teilweise abenteuerlichen Flucht aus der russischen Besatzungszone für einen Wechsel an die Universität Hamburg im Jahre 1958 habilitierte es sich 1961 mit einer histochemischen und elektronenmikroskopischen Arbeit über die Eizellen des Amphibs. Im Jahre 1966 führte ihn ein Forschungsaufenthalt an die University of Washington School of Medicine, in Seattle, Washington, wo er mit Professor Edward C. Roosen-Runge zusammenarbeitete. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg folgte er 1969 dem Ruf auf ein Extraordinariat an die Universität Basel.

Schon kurze Zeitspäter, im Jahr 1970, übernahm Hubert Wartenberg in der Nachfolge von Frau Prof. Emmi Hagen einen der beiden Lehrstühle für Anatomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Dort setzte er seine Untersuchungen zur Ultrastruktur und Entwicklung der Keimzellen, insbesondere in der Phase der sexuellen Differenzierung und nun bei Mensch und Kaninchen konsequent und unter Anwendung der aufkommenden immunhistochemischen Methoden so erfolgreich fort, sodass zahlreiche seiner Original- und Übersichtsarbeiten nachhaltige internationale Beachtung fanden. In der Lehre übernahm er eigenhändig und in mehreren Auflagen die Überarbeitung des Standart-Lehrbuchs der Histologie von Otto Bucher, das in der Wartenberg'schen Fassung manchem Studierenden, sicher aber den meisten jungen Anatomen seiner Zeit eine unersetzliche Grundlage und ein Sprungbrett in die aktuelle Zellbiologie war. Originalaufnahmen seiner Semidünn- und Ultradünnschnitte finden sich aber auch in den von ihm verfassten Kapitel der bis heute unübertroffenen „Humanembryologie“ von Viktor Hinrichsen und in den neuen Auflagen des "Benninghoff". Neben diesem außerordentlichen Engagement in Forschung und Lehre war Prof. Wartenberg regelmäßig im Fakultätsrat aktiv und diente in den Jahren 1978 bis 1980 der Bonner Medizinischen Fakultät auch als Dekan.

Nach seiner Emeritierung ging Hubert Wartenberg noch einmal fast 25 Jahre lang seiner wissenschaftlichen Leidenschaft nach und entdeckte im Licht- und Elektronenmikroskop – wieder ganz auf der Höhe der Zeit – eine neue Art von Stammzellen, die er in seiner letzten, umfangreichen Originalarbeit noch im Jahr 2019 publizieren konnte. Seine Begeisterung und Ernsthaftigkeit mag man daran ermessen, dass er sich abmeldete, ja fast entschuldigte, wenn er einen Tag nicht ins Institut kommen konnte oder einen kurzen Urlaub nahm. Seinen jüngeren Kolleginnen und Kollegen und auch seinem Nachfolger stand Hubert Wartenberg stets zur Seite, mit anregenden wissenschaftlichen Diskussionen, aber auch mit hartnäckigen, kritischen, jedoch stets wohlwollenden und konstruktiven Fragen.

Uns bleibt die Erinnerung an Hubert Wartenberg, einen außergewöhnlichen akademischen Lehrer und Wissenschaftler, und einen stets freundlichen und verständnisvollen Mitmenschen.

Christoph Viebahn, Göttingen, und Karl Schilling, Bonn

<< Zurück zur vorherigen Seite

The meeting has been cancelled for this year and moved to 21. - 24.09.2021!